Was gehört eigentlich wem, wenn etwas gemeinsam entstanden ist? ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏
Daniel Frei

Fifty-fifty.

Vor ein paar Tagen führte mich eine Recherche nach Biel. Es ging um ein Kulturprojekt, um Gründer, Nachfolge, Namen, Rechte und schlussendlich die Frage, was von etwas bleibt, wenn diejenigen gehen, die es aufgebaut haben.

Und plötzlich tauchte ein Name auf, mit dem ich nicht gerechnet hatte.

Den Namen einer Firma. Ich hatte sie in den Neunzigerjahren mit einem Freund gegründet. Wir waren jung, hatten Ideen, wenig Geld und ziemlich viel Lust, Dinge zu machen. Wir arbeiteten zusammen, bauten etwas auf, gewannen Kunden, entwickelten Projekte. Die Firma gehörte uns beiden.

Fifty-fifty.

Ein wunderbar eindeutiger Begriff. Jeder die Hälfte. Einige Jahre später trennten wir uns. Nicht besonders schön. Ich ging. Nach meiner Erinnerung erhielt ich ungefähr zurück, was ich ursprünglich eingebracht hatte. Die Firma blieb beim anderen. Ebenso der Name, die Kunden, die laufenden Arbeiten und das, was daraus noch werden konnte.

Das ist lange her.

Ich hatte diese Geschichte längst abgelegt. Bis ich bei meiner Recherche wieder auf diesen Namen stiess. Und plötzlich erinnerte ich mich nicht nur an eine Firma. Sondern an diese heute eigentümlich wirkende Vorstellung von «fifty-fifty». Denn «fifty-fifty» klingt nach vollkommener Gerechtigkeit.

Bis man sich trennt. Dann stellt man fest, dass zwei Menschen vollkommen unterschiedliche Vorstellungen davon haben können, was die hundert Prozent überhaupt sind.

Geld? Die Firma? Die Kunden? Die Arbeit der vergangenen Jahre oder die Möglichkeiten der kommenden? Oder die Geschichte, die zwei Menschen miteinander geschaffen haben?

Solange man zusammenarbeitet, muss man diese Fragen nicht beantworten und man sagt selbstverständlich «unsere Firma», «unsere Kunden», «unsere Idee», «unser Projekt». Das «unser» genügt. Erst wenn es dann auseinanderfällt, wird sichtbar, dass darin zwei sehr unterschiedliche Geschichten gelebt haben.

Bei Unternehmen ist das besonders gut zu sehen. Aber es gilt auch für Partnerschaften, Familien, Freundschaften und gemeinsame Projekte. Wir teilen nicht nur das, was vorhanden ist, sondern wir schaffen miteinander etwas, dessen Wert sich manchmal erst später zeigt.

Und dessen Zukunft zum Zeitpunkt einer Trennung noch gar nicht existiert.

Darum sind Trennungen so schwierig: Weil plötzlich entschieden werden muss, wem etwas gehört, das vorher gar nicht getrennt gedacht wurde, nicht nur, weil etwas endet.

Fifty-fifty. Ich finde den Begriff heute weniger eindeutig als damals.

Herzlich

Daniel Frei

Unklare Lage

Wem gehört, was wir gemeinsam geschaffen haben?

Solange Zusammenarbeit funktioniert, ist die Sprache einfach: unsere Firma, unser Projekt, unsere Kunden, unsere Idee, unsere Geschichte. Das «unser» fällt nicht auf und es muss nicht erklärt werden.

Bis es erklärt werden muss.

→ Auf Unklare Lage lesen

Randnotiz

Eine Idee, die zurückkam.

Eigentlich hatte ich The Empty Leader aufgegeben.

Nicht die Frage dahinter. Aber den Begriff, die Sprache und wohl auch das Projekt.

Dann verwendete jemand anderes den Begriff in einem Gespräch, um die Veränderung seines eigenen Führungsstils zu beschreiben: sich selbst zunehmend aus dem Zentrum nehmen.

Und plötzlich verstand ich meine eigene Idee wieder anders: Nimm dich aus dem Zentrum. Nicht aus der Verantwortung.

Seitdem arbeite ich wieder daran und zwei neue Texte sind dabei entstanden.

→ Die grösste Autorität ist die, die niemand merkt.

→ Führung kann alte Verletzungen wiederholen. Oder unterbrechen.

Daniel Frei

Pflanzschulstrasse 89
8004 Zürich
Schweiz

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